← Home · Labor

Atterberg-Grenzen in Delmenhorst: Plastizität verstehen, Baugrund sicher bewerten

Gemeinsam lösen wir die Herausforderungen von morgen.

MEHR ERFAHREN →

Die Bebauung in Delmenhorst trifft auf zwei grundverschiedene Welten: Nördlich der Innenstadt, Richtung Ganderkesee, dominieren sandige Geestböden, während man entlang der Delme und in den südlichen Niederungen auf mächtige, setzungsempfindliche Auelehme stösst. Wer diese Grenze zwischen Geest und Marsch ignoriert, programmiert Risse im Bauwerk vor. Die Bestimmung der Atterberg-Grenzen liefert das entscheidende Mass für den Übergang vom festen zum plastischen Zustand des Bodens. Gerade im Bereich der ehemaligen Eisenbahn-Erweiterungen des 19. Jahrhunderts, wo heute aufgelassene Gleisflächen zu Bauland werden, finden wir oft anthropogen veränderte Auffüllungen, deren Konsistenz nur über die Plastizitätszahl sicher zu bewerten ist. Das ist keine akademische Übung, sondern die Grundlage dafür, ob eine Gründung auf Streifenfundamenten ausreicht oder eine tiefere Einbindung nötig wird.

Die Plastizitätszahl Ip eines Geschiebelehms verrät uns mehr über sein Verformungspotenzial als zehn Rammsondierungen – und das für einen Bruchteil der Kosten.

Ablauf und Umfang

Delmenhorst liegt am Rand des Urstromtals der Weser, was zu einer sehr heterogenen Quartärbedeckung führt: Geschiebelehme der Saale-Kaltzeit wechseln kleinräumig mit holozänen Flusssanden und Beckenschluffen. Die Fließgrenze dieser bindigen Schichten kann je nach Tonmineralogie und Kalkgehalt zwischen 25 und über 60 Prozent schwanken. Genau diese Bandbreite macht die Prüfung nach DIN 18122 unverzichtbar, weil die Zustandszahl Ic direkt in die Bemessungsdiagramme der DIN 1054 eingeht. Ist der Boden steif, halbfest oder weich? Nur die Atterberg-Grenzen geben darauf eine normativ belastbare Antwort. Wir kombinieren die Konsistenzbestimmung regelmässig mit der Korngrößenanalyse nach DIN 18123, um das Gesamtbild des Bodens zu schärfen, und greifen bei fraglichen Horizonten auf eine SPT-Bohrung zurück, wenn die Lagerungsdichte zusätzlich in situ verifiziert werden soll.
Atterberg-Grenzen in Delmenhorst: Plastizität verstehen, Baugrund sicher bewerten
Technisches Referenzbild — Delmenhorst

Örtliche Baugrundfaktoren

Ein klassischer Fehler, den wir in Delmenhorster Neubaugebieten immer wieder beobachten: Der Bodengutachter klassifiziert einen Auelehm nur nach der Korngrösse als 'feinsandigen Schluff', ohne die Plastizität zu prüfen. Dann stellt sich im Winter nach einem bauzeitlichen Niederschlagsereignis heraus, dass der Boden bei Wasserzutritt aufweicht und die Baugrube zuläuft. Die Bauverzögerung kostet ein Vielfaches des Laborversuchs. Noch kritischer wird es bei der Wiederverwendung von Aushubmaterial: Ein als 'nicht bindig' eingestufter Boden ohne Atterberg-Prüfung kann unter Verkehrslast plötzlich pumpen und die Tragfähigkeit des Planums ruinieren. Das Kleinstadtwachstum von Delmenhorst – die Einwohnerzahl liegt stabil bei rund 78.000, aber die Nachverdichtung nimmt zu – verschärft die Situation, weil auf Restflächen gebaut wird, deren Baugrundhistorie oft unklar ist. Die DIN 4020 verlangt für bindige Böden zwingend die Angabe der Konsistenz; wer darauf verzichtet, bewegt sich ausserhalb des technischen Regelwerks.

Benötigen Sie eine geotechnische Bewertung?

Antwort innerhalb von 24h.

E-Mail: kontakt@geotechnik.sbs

Referenzparameter

ParameterTypischer Wert
NormgrundlageDIN 18122-1/-2, DIN EN ISO 17892-12
Bestimmte GrössenFliessgrenze wL, Ausrollgrenze wP, Plastizitätszahl Ip, Konsistenzzahl Ic
Prüfverfahren FliessgrenzeFallkegel-Methode (30°/80g) nach Casagrande-Ersatz
Probenmengeca. 200 g gestörtes Material < 0,4 mm Korngrösse
Typische Bearbeitungszeit2–3 Werktage nach Probeneingang im Labor
AkkreditierungDAkkS-überwachtes Prüflabor nach DIN EN ISO/IEC 17025
BerichtsumfangZahlenwerte, Plastizitätsdiagramm nach DIN 18196, Bodengruppe, Konsistenz

Ergänzende Leistungen

01

Atterberg-Prüfung Einzelprobe (Schnelltest)

Bestimmung von Fliess- und Ausrollgrenze an einer gestörten Probe aus dem Aushub oder der Rammsondierung. Ideal zur schnellen Konsistenzbeurteilung während der laufenden Baugrubenarbeiten, wenn der Baugrund vom Planer abweicht.

02

Erweiterte Bodenklassifikation mit Plastizitätsdiagramm

Kombination aus Korngrössenverteilung und Atterberg-Grenzen zur Einstufung nach DIN 18196. Das Plastizitätsdiagramm zeigt auf einen Blick, ob der Boden als leicht oder ausgeprägt plastisch einzustufen ist – entscheidend für die Wahl des Erdbaugeräts und die Verdichtungsanforderung.

03

Konsistenzprofil für Gründungsgutachten

Probenahme in mehreren Tiefenstufen und Ermittlung der Zustandszahl Ic über das gesamte Bodenprofil. Wir liefern die belastbare Grundlage für die Wahl des Gründungshorizonts und die Festlegung des Bemessungswerts der Scherfestigkeit cu nach DIN 1054.

Maßgebliche Normen

DIN 18122-1: Baugrund, Untersuchung von Bodenproben – Zustandsgrenzen (Konsistenzgrenzen) – Teil 1: Bestimmung der Fliess- und Ausrollgrenze, DIN 18122-2: Teil 2: Bestimmung der Schrumpfgrenze (bei Bedarf), DIN EN ISO 17892-12: Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Laborversuche an Bodenproben – Teil 12: Bestimmung der Fliess- und Ausrollgrenze, DIN 1054: Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau, DIN 4020: Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke

Häufig gestellte Fragen

Warum genügt die Korngrössenanalyse allein nicht für bindige Böden in Delmenhorst?

Die Korngrösse sagt nichts über die Wasserbindungsfähigkeit und das plastische Verhalten aus. Zwei Schluffe mit identischer Sieblinie können völlig unterschiedliche Plastizitätseigenschaften haben – einer ist kaum verformbar, der andere fliesst bei Wasserzutritt. In den Auelehmen südlich der Delme ist die Tonmineralogie durch eingelagerte Smectit-Lagen oft extrem aktiv, was nur die Atterberg-Grenzen aufdecken. Die DIN 4020 schreibt die Konsistenzbestimmung für bindige Böden deshalb zwingend vor.

Was kostet die Bestimmung der Atterberg-Grenzen für ein Einfamilienhaus-Gutachten?

Für ein typisches Einfamilienhaus-Gutachten mit drei Probenahmetiefen liegen die Laborkosten für die reine Atterberg-Prüfung im Bereich von €50 bis €110 pro Probe, abhängig vom Aufbereitungsaufwand. Das ist im Gesamtbudget einer Baugrunderkundung ein kleiner Posten, der aber die Sicherheit der Gründungsempfehlung massiv erhöht. Bei grösseren Stückzahlen oder in Kombination mit anderen Versuchen erstellen wir gerne ein Pauschalangebot.

Können die Atterberg-Grenzen auch an gestörten Proben bestimmt werden?

Ja, das ist der Normalfall. Für die Atterberg-Prüfung wird die Probe sogar bewusst gestört und aufbereitet – gesiebt auf < 0,4 mm und mit destilliertem Wasser zu einer Paste angemacht. Entscheidend ist nur, dass das Material nicht mit Kalk oder Zement verunreinigt ist, was die Plastizität künstlich verändern würde. Wir entnehmen die Probe direkt aus dem Sondiergestänge oder der Schürfgrube und verpacken sie luftdicht, damit der natürliche Wassergehalt erhalten bleibt.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Delmenhorst und Umgebung.

Größere Karte ansehen