Die DIN EN ISO 22282 bildet die unverzichtbare Grundlage für jeden Felddurchlässigkeitsversuch, und in Delmenhorst mit seinen spezifischen quartären Ablagerungen ist ihre konsequente Anwendung entscheidend. Wir führen die Versuche nach Lefranc und Lugeon durch, weil beide Methoden unterschiedliche Untergrundverhältnisse abdecken: Lefranc in Lockergesteinen über dem Grundwasser, Lugeon im geklüfteten Fels. Gerade im Bereich der Delmenhorster Geest, wo sandige und kiesige Böden vorherrschen, liefern wir mit diesen Verfahren belastbare kf-Werte, die für die Dimensionierung von Versickerungsanlagen nach DWA-A 138 benötigt werden. Die Interpretation der Absenkkurven erfolgt dabei immer durch einen erfahrenen Geotechniker, der die lokalen Randbedingungen kennt. In Kombination mit einer SPT-Bohrung lassen sich die Durchlässigkeitsdaten direkt mit der Lagerungsdichte korrelieren.
Ein Lugeon-Wert unter 1 deutet auf dichten Fels hin, Werte über 5 auf offene Klüfte – wir dokumentieren jede Druckstufe mit digitalen Datenloggern.
Ablauf und Umfang
Delmenhorst liegt auf etwa 7 m ü. NHN und ist geprägt von pleistozänen Sanden der Saale-Kaltzeit sowie holozänen Auenlehmen entlang der Delme – eine Zweiteilung, die wir bei jedem Felddurchlässigkeitsversuch berücksichtigen müssen. In den höher gelegenen Geestbereichen dominieren gut durchlässige Mittel- und Grobsande, während in der Delmeniederung geringdurchlässige Beckenschluffe anstehen. Diese Variabilität erklärt, warum wir für Bauvorhaben wie das neue Wohngebiet an der Annenheider Straße sowohl Lefranc-Versuche in den Sanden als auch Lugeon-Tests in tieferen, potenziell klüftigen Tonsteinhorizonten angesetzt haben. Beim Lefranc-Test wird Wasser mit konstanter Druckhöhe in eine Messstrecke eingespeist, der stationäre Durchfluss gemessen und der kf-Wert nach der Formel von Hvorslev berechnet. Der Lugeon-Test arbeitet mit fünf Druckstufen, um das Kluftverhalten zu analysieren, und ergibt den Lugeon-Wert in l/min pro Meter bei 10 bar. Ergänzend zur Durchlässigkeit ist für eine vollständige Baugrundcharakterisierung oft eine Korngrößenanalyse sinnvoll, um die Sieblinie mit dem gemessenen kf-Wert abzugleichen.
Örtliche Baugrundfaktoren
Was wir in Delmenhorst immer wieder beobachten: Wird die In-situ-Durchlässigkeit nur aus Sieblinien abgeschätzt, liegen die Werte oft um den Faktor zwei bis fünf daneben. Besonders kritisch wird das bei der Bemessung von Rigolen in den sandigen Geestböden – hier führt eine Überschätzung des kf-Werts zu unterdimensionierten Anlagen und Rückstau bei Starkregen. In der Delmeniederung wiederum können dünne Schlufflinsen, die bei einer reinen Rammkernsondierung nicht auffallen, den vertikalen Durchfluss nahezu blockieren. Der Lefranc-Versuch direkt in der Bohrung deckt solche Heterogenitäten zuverlässig auf. Ein weiterer Punkt: Wird bei Lugeon-Tests die Packerlage nicht exakt im Bohrloch zentriert, entstehen Kurzschlussströmungen am Gestänge, die fälschlich hohe Durchlässigkeiten vortäuschen. Unsere Equipe setzt deshalb Doppelpacker-Systeme mit Druckmessung im Testintervall ein, was solche Fehlerquellen eliminiert.
Maßgebliche Normen
DIN EN ISO 22282-2 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Felduntersuchungen – Teil 2: Lefranc-Versuch, DIN EN ISO 22282-3 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Felduntersuchungen – Teil 3: Lugeon-Versuch, DWA-A 138 – Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser, DIN 4020 – Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, Eurocode 7 (DIN EN 1997-2) – Erkundung und Untersuchung des Baugrunds
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Felddurchlässigkeitsversuch in Delmenhorst?
Für einen Lefranc- oder Lugeon-Versuch in Delmenhorst bewegen sich die Kosten je nach Tiefe, Anzahl der Testintervalle und erforderlichem Bohrverfahren zwischen 600 und 880 Euro netto. Der Preis umfasst die Einmessung vor Ort, die digitale Datenaufzeichnung und die Auswertung mit Bericht.
Wann brauche ich einen Lefranc- und wann einen Lugeon-Versuch?
Lefranc kommt in Lockergesteinen wie Sand und Kies zum Einsatz, typisch für die Delmenhorster Geest. Lugeon verwenden wir im Festgestein, etwa wenn in tieferen Schichten Tonstein oder Sandstein ansteht und das Kluftnetz untersucht werden muss. Die Entscheidung fällt nach der Bohrkernansprache.
Wie lange dauert ein Durchlässigkeitsversuch im Feld?
Ein einzelner Lefranc-Test in einer definierten Messstrecke dauert inklusive Sättigungsphase etwa 45 bis 60 Minuten. Ein Lugeon-Test mit fünf Druckstufen benötigt rund 90 Minuten. Hinzu kommt die Rüstzeit für das Bohrgerät und den Packereinbau.
Welche Norm gilt für die Auswertung der Versuche?
Die Durchführung und Auswertung erfolgt nach DIN EN ISO 22282, die den Stand der Technik in Deutschland verbindlich festlegt. Teil 2 regelt den Lefranc-Versuch, Teil 3 den Lugeon-Test. Die Berechnung der Versickerungsleistung orientiert sich zusätzlich an DWA-A 138.