Ein Wohnbauprojekt in der Cramerstraße, viergeschossig mit Tiefgarage – der Baugrundgutachter bestand auf ein seismisches Profil. Delmenhorst mit seinen 78.000 Einwohnern liegt nicht in der höchsten Erdbebenzone Deutschlands, aber die Untergrundverhältnisse entlang der Delme und der Klosterbach-Niederung sind wechselhaft. Sandige Auensedimente über Geschiebelehm, dazu Torflinsen in Altarmbereichen – das verlangt nach einer belastbaren VS30. Wir haben die seismische Refraktion als Ergänzung zur Bohrloch-Geophysik im Programm, aber für die reine Klassifizierung des Baugrunds nach DIN EN 1998-1/NA setzen wir auf das MASW-Verfahren. Die Messung läuft mit einem 24-Kanal-Seismografen und 4,5 Hz-Geophonen. Das Ergebnis ist ein Schichtmodell der Scherwellengeschwindigkeit bis in 30 m Tiefe, das dem Tragwerksplaner die Bodenklasse und den Baugrundtyp liefert.
Die Scherwellengeschwindigkeit in 30 m Tiefe entscheidet über die Bodenklasse – und damit über die gesamte Erdbebenbemessung des Tragwerks.
Örtliche Baugrundfaktoren
Seit der Überarbeitung der nationalen Anwendungsnorm zum Eurocode 8 im Jahr 2021 prüfen die Prüfstatiker in Niedersachsen genauer. Wer nur mit konservativen Annahmen aus Tabelle 4.2 arbeitet, verschenkt schnell 20 % Tragwerksreserve – oder schlimmer: unterschätzt die seismische Einwirkung. In den Gewerbegebieten nördlich der Autobahn A28 haben wir mehrfach gesehen, dass Bohrprofile ohne seismische Ergänzung als Bodenklasse C eingestuft wurden, während die MASW-Messung Klasse B ergab. Der Unterschied in der Antwortspektrumsform ist signifikant. Wird die Scherwellengeschwindigkeit nicht gemessen, bleibt der Baugrundtyp ungesichert und der gesamte Erdbebennachweis steht auf wackligen Füßen. Eine nachträgliche Messung im fortgeschrittenen Planungsstadium kostet Zeit und Geld – besser, man denkt von Anfang an daran.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist eine MASW-Messung in Delmenhorst erforderlich?
Immer dann, wenn der Erdbebennachweis nach DIN EN 1998-1/NA geführt werden muss. Das betrifft in Delmenhorst Gebäude der Bedeutungskategorien III und IV sowie alle Bauwerke mit mehr als zwei Vollgeschossen, bei denen der Baugrundtyp nicht allein aus der Bodenansprache abgeleitet werden kann.
Welche Untergrundverhältnisse sind in Delmenhorst typisch?
Delmenhorst liegt im Übergangsbereich zwischen der Geest mit sandigen, tragfähigen Böden und den Niederungen von Delme und Klosterbach, wo holozäne Auesedimente und Torflinsen vorkommen. Die VS30-Werte variieren daher kleinräumig stark – von etwa 250 m/s in Moorbereichen bis über 500 m/s in sandigen Geestböden.
Mit welchen Kosten muss ich für eine MASW-Messung rechnen?
Für ein Standard-VS30-Profil in Delmenhorst liegen die Kosten je nach Zugänglichkeit und Anzahl der Messlinien zwischen €1.720 und €2.450. Der genaue Betrag hängt vom Erkundungsumfang und der erforderlichen Auswertetiefe ab.
Wie lange dauert eine MASW-Messung vor Ort?
Die Feldmessung selbst ist in etwa zwei Stunden abgeschlossen. Die Auswertung der Dispersionskurven und die Inversion des Schichtmodells nehmen im Labor nochmals einen Arbeitstag in Anspruch. Den vollständigen Bericht mit VS30-Profil und Bodenklasse erhalten Sie in der Regel drei Werktage nach der Messung.