In Delmenhorst fällt bei fast jedem zweiten Bauvorhaben auf, dass die geologischen Vorinformationen aus alten Karten nur bedingt mit dem übereinstimmen, was man dann tatsächlich im Bohrloch sieht. Die Stadt liegt auf einer typisch norddeutschen Abfolge: pleistozäne Sande der Saale- und Weichselkaltzeit, durchzogen von Geschiebemergelbänken und lokalen Torflinsen, besonders in den Niederungsbereichen nahe der Delme. Genau da setzen wir mit der seismischen Tomographie an. Statt den Baugrund nur punktuell mit einer Sondierung zu erkunden, spannen wir ein durchgehendes Geschwindigkeitsprofil über die gesamte Baufläche auf. Die Kombination aus Refraktion und Reflexion erlaubt es, Lockergesteinsgrenzen und die Tiefe des tragfähigen Pleistozäns auf wenige Dezimeter genau zu kartieren – ohne einen Kubikmeter Boden bewegen zu müssen. Für Delmenhorster Verhältnisse mit ihren oft unregelmäßig ausgebildeten Talsanden ist das eine enorme Planungssicherheit.
Zwei Stunden Messzeit auf einem Delmenhorster Baufeld ersetzen oft drei bis vier Rammkernsondierungen – und liefern trotzdem ein durchgehendes Schichtmodell.
Örtliche Baugrundfaktoren
Die geotechnische Risikokarte Delmenhorsts hat einen blinden Fleck, der in der Praxis immer wieder zu Verzögerungen führt: begrabene Rinnenstrukturen aus der Eem-Warmzeit, die mit schluffigen, setzungsempfindlichen Sedimenten verfüllt sind. Sie lassen sich mit klassischen Rasterbohrungen kaum orten, weil sie oft nur 5 bis 8 Meter breit sind und unregelmäßig verlaufen. Die seismische Tomographie bildet diese Strukturen als markante Nieder-Geschwindigkeitszone ab. Auf einer Baustelle im Stadtteil Hasport konnten wir damit eine eemzeitliche Rinne über 40 Meter Länge verfolgen, die in keiner Baugrundkarte verzeichnet war. Die Alternative wäre ein flächiges Bohrprogramm mit acht zusätzlichen Aufschlusspunkten gewesen – Kostenpunkt und Bauzeitverzug wären immens gewesen. In einem Gebiet, in dem die tragfähigen Sande erst ab 4 bis 7 Meter Tiefe anstehen, ist diese räumliche Vorinformation kein Luxus, sondern schlicht wirtschaftlich zwingend.
Häufig gestellte Fragen
Welche Normen gelten für seismische Baugrunderkundung in Deutschland?
Maßgebend ist die DIN EN 1997-2 in Verbindung mit dem nationalen Anhang. Ergänzend ziehen wir die Empfehlung Nr. 2.2 des DGGT-Arbeitskreises 2.2 «Seismische Verfahren» heran, die konkrete Vorgaben zu Überdeckungsgrad, Geophonabstand und Auswertungsalgorithmen macht.
Reicht eine seismische Tomographie als alleinige Baugrunderkundung?
Nein, und das empfehlen wir auch nicht. Die Seismik liefert ein flächiges Geschwindigkeitsmodell, aber keine direkten Bodenkennwerte. Wir kombinieren die Profile immer mit mindestens zwei Kalibrierbohrungen, aus denen wir gestörte Proben für die Klassifikation nach DIN 18196 entnehmen.
Mit welchen Kosten muss ich für ein seismisches Profil in Delmenhorst rechnen?
Für ein Refraktionsprofil von 115 Metern Länge mit 24 Geophonen und Hammerschlagquelle liegen die Kosten in Delmenhorst typischerweise zwischen 2.690 und 4.750 Euro, abhängig von Zugänglichkeit, notwendiger Vorbereitung und ob Reflexionsdaten zusätzlich aufgezeichnet werden.
Wie tief kann die Seismik in den Sandböden um Delmenhorst eindringen?
Mit einem beschleunigten Fallgewicht von 100 kg erreichen wir in den trockenen pleistozänen Sanden südlich der A28 Reflexionstiefen von 60 bis 80 Metern. In wassergesättigten Horizonten dämpft die höhere Frequenzabsorption das Signal etwas, sodass wir dort eher 40 bis 50 Meter nutzbare Eindringtiefe ansetzen.